Shabbat Shalom
Bei Matthaeus spitzen sich die Dinge zu, der Tonfall wird rauher: die Pharisaeer "versuchen" Jesus und wollen ihn mit Scheinfragen in die Falle locken. Jesus heilt am Sabbat und sie haben Mordgedanken. Und Matthaeus wird ungerecht gegenueber seinen Gegnern. Warum? Weil seine Gemeinde rausgeschmissen wurde aus der grossen juedischen Gemeinschaft; weil er sich nicht anders zu helfen wusste, als sich hart von seinen ehemaligen Glaubensbruedern abzugrenzen und kaum ein gutes Haar an ihnen zu lassen. Dabei ist es nur der Anfang eines Konflikts, der noch weiter eskalieren wird. Uebermorgen werden wir darauf zurueckkommen.
Gegen Mittag ging es erst mal auf Fahrt durch die Jordansenke. In Bet Shean haben wir eine der groessten Ausgrabungen in Israel angeschaut. Vor lauter herumliegenden Saeulen war es gar nicht so einfach, den Ueberblick zu behalten. Aber wir waren beeindruckt. Alles so gut erhalten bzw. restauriert, dass man gar nicht viel Phantasie braucht, um Strassenbelaege, Fussbodenheizungen und Ladengeschaefte zu erkennen. Bis hin zu Spuren des alten Aegypten um 1300 v.Chr. ist die Geschichte der Stadt nachvollziehbar.
Die Fahrt nach Sueden stellte uns die politische Realitaet Israels vor Augen. Kontrollposten vor der Westbank, z.T. befestigte juedische Siedlungen in palaestinensischem Gebiet und staendig Militaer.
Qumran war der zweite archaeologische Stopp dieses Tages. 400 Meter unter dem Meeresspiegel und bei schweisstreibender Hitze befinden am Ufer des Toten Meers die Reste einer Siedlung. Zur Zeit Jesu lebte dort eine religioese Gemeinschaft. In den Felsen neben der Siedlung gibt es viele Hoehlen, in denen in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts eine ganze Reihe Bibelhandschriften gefunden wurden. Sie zeigen, dass der Originaltext der Heiligen Schrift auch ohne Kopierer sehr gut durch die Jahrhunderte ueberliefert wurde.
Entlang von Beduinenbehausungen ging es durch die judaeische Wueste gen Jerusalem. Puenktlich zum Beginn des Shabbats waren wir, nach einem ueppigen Abendessen im neuen Quartier "Oesterreiches Hospiz", an der Westmauer und haben die Atmosphaere auf uns wirken lassen. Auf dem Weg dorthin durch das arabische Viertel sind uns die Gegensaetze dieser Stadt und dieses Landes ins Auge gesprungen, bis hin zu einer Pruegelei zwischen orthodoxen juedischen und palaestinensischen Jugendlichen, die wir beobachtet haben. Wenn man von Tabgha kommt, faellt einem die Enge der Strassen besonders auf, aber auch das Leben, das hier pulsiert.
Nach einem ausfuehrlichen ruhigen Abendgebet, haben wir den Tag auf der Dachterrasse beendet. Mitten im arabischen Viertel gelegen, haben wir den Blick wieder und wieder schweifen lassen ueber die Sehenswuerdigkeiten der Stadt, die Lichter, die Wohnungen der Menschen.
Wir hoeren immer mehr, dass Leute in Deutschland, Freunde und Verwandte von uns Pilgern, bei Matthaeus mitblaettern und die Nachrichten auf der Homepage lesen. Das freut uns und bewegt uns. Vielen Dank dafuer.
Morgen muessen wir uns nun sputen, dass wir das heute nur begonnene Gleichniskapitel 13 zu Ende kriegen. Vor lauter Fahren und Schauen sind wir ein wenig hinter unserem Zeitplan her. Mal schauen, ob jemand auf die Idee kommt, morgen in Betlehem Weihnachtslieder zu singen...

