Das Finale
Der erste Weg fuehrte uns heute an der Westmauer vorbei auf den Haram es-Sharif, den Heiligen Bezirk oberhalb der Westmauer mit Felsendom und El-Aksa-Moschee. Weit und schoen ist der Platz mit seinen Mosaiken, Waschgelegenheiten und den Torboegen. Der Blick auf den Oelberg ist beeindruckend.
Vom Oelberg aus hatten wir anschliessend den Blick in die umgekehrte Richtung auf den Tempelbezirk und die ganze Stadt. Von dort kann man das zugemauerte Goldene Tor sehen, durch das eines Tages der Messias einziehen soll. Auf unserer Strecke lagen allerdings erst einmal die Mariengrabkirche, der Garten Getsemani, die Maria Magdalena-Kirche und Dominus Flevit. Dort haben wir die Passionsgeschichte in Matthaeus 26 bis 28 gelesen und je fuer uns meditiert. Mit Blick auf die Stadt und einer gewissen Muedigkeit ist das eine eigene Erfahrung; dass die Juenger einschlafen, liegt auf einmal sehr nah.
Es blieb viel Zeit am Nachmittag und manche liessen sich die Sachertorte im Hospiz schmecken. Oesterreichischer Flair mitten in der arabischen Altstadt hat was und ist entspannend.
Den Abschlussgottesdienst haben wir in St. Anna gefeiert. Nach Ende der offiziellen Besichtigungszeit hatten wir die Kirche fuer uns. Der wunderbare Bau hat uns fasziniert, auch im Kontrast seiner Schlichtheit zu vielen anderen, ueberladenen Kirchen in der Stadt. Als Lesung gab es ein "lebendiges Evangelium": Wir haben Worte oder Gedanken aus der Passion wiederholt, die uns den Tag ueber beschaeftigt haben. Und es ging um das grosse Finale Gottes, der nach aller Dunkelheit des Leidens Jesu auf den Plan tritt. Seine Spur war schon die ganze Zeit da und nach Jesu Tod greift er ein und zeigt sich als der "Gott mit uns". Sogar dass einige Juenger zweifeln, nimmt der auferstandene Jesus nicht krumm. Seine Botschaft, die er schon die ganze Zeit verkuendet hat, geht in Wort und Praxis seiner Juenger weiter.
Die Ausgrabungen neben der Anna-Kirche haben uns trotz der vielen Steine, die wir schon gesehen haben, fasziniert. Der alte Wasserspeicher der Stadt Jerusalem, aus dem der Teich Betesda wurde (Joh 5), ist gut erhalten, auch wenn die Kreuzfahrer darueber mal wieder eine Kirche errichtet haben.
Wir moechten an dieser Stelle ausdruecklich dem oesterreichischen Verteidigungsminister danken. Weil er heute Abend im Oesterreichischen Hospiz einen Empfang gegeben hat, mussten und durften wir in einem arabischen Restaurant in Ost-Jerusalem lokale Koestlichkeiten verkosten: Humus (Kichererbsenbrei), Auberginenmus, Hackfleischbaellchen, Rotkrautsalat und Oliven. Nur den Verdauungsschnaps haben wir leider gestern schon alle gemacht. Auf der Dachterrasse stahlte uns ein letztes Mal der Vollmond samt Sternen an. Dank des warmen Wuestenwinds reichten drei Kleiderschichten aus.
Morgen Vomittag werden wir ernten. Die Fruechte waren fuer Matthaeus wichtig. Bei uns ist viel gewachsen, in der Gruppe und bei jedem einzelnen. Um 12 Uhr werden wir in den Bus steigen, um 20 Uhr hoffentlich in Frankfurt landen.
Wir verabschieden uns mit dem alten Gruss der Jerusalem-Pilger: Hashana habaa birushalajim - naechstes Jahr in Jerusalem!

