Der Ursprung
Matthaeus beginnt sein Evangelium mit einer langen Reihe von fremden Namen, Urahnen Jesu. Ein paar davon haben wir lebendig auftreten lassen. "Gestatten, Abraham, aus Ur in Chaldaea..." Und auf einmal hat der langweilige Stammbaum Farbe bekommen. Jesus kommt aus der konkreten Geschichte eines Volkes heraus, mit allen Hoehen und Tiefen.
Auch die Geburtserzaehlungen wurden erfahrbar: Herodes und die Weisen aus dem Osten, Maria und die Engel, Josef und die Hohenpriester traten auf die Buehne am Ufer des Sees Genesaret. Jeder Teilnehmer schluepfte in eine Rolle und allein aus der Anordnung der "Figuren" konnte man die Skepsis der Jerusalemer und die Erleichterung der Engel ablesen. Der gute Josef hatte am Schluss genug davon, in der Weltgeschichte herum geschickt zu werden. Gott sei Dank hat er gut hingehoert und war folgsam.
Zur Mittagszeit brachte uns der Bus nach Nazaret, einer arabischen Stadt im galilaeischen Bergland. Die Josefskirche mit ihrer sympathischen Darstellung des Josef hat uns fast besser gefallen als die monumentale Verkuendigungsbasilika. In dieser haben uns allerdings die verschiedensten internationalen Mariendarstellungen beeindruckt - Hinweis darauf, dass die Menschen aller Zeiten und Praegungen ihren je eigenen Blickwinkel auf die Dinge hatten und haben. Und diesen je eigenen Blick wollen wir schliesslich auch auf den Text des Matthaeus werfen.
So wurde beim Gespraech ueber die Versuchungsgeschichte auch schnell klar, dass es um uns und unsere kleinen Versuchungen geht. Versuchungen koennen aber auch die Kehrseite von Lebendigkeit sein - manchmal muss man etwas versuchen und geraet dadurch in Versuchung.
Die ersten vier Kapitel im Matthaeusevangelium sind so etwas wie ein Praeludium zu den folgenden 24 Kapiteln: es geht um Gehorsam und Gerechtigkeit, um Gericht und den Heilsplan Gottes. In Kapitel zwei gelingt die Flucht des Jesuskindes nach Aegypten noch. In Kapitel 26 kann und will Jesus nicht mehr fliehen und trotzdem fuehrt Gott Regie.
Alle Teilnehmer sind wohlauf, springen in den See Genesaret, trinken Bier aus Betlehem und haben Freude daran, sich gegenseitig und die Bibel kennen zu lernen. Sogar den fetten Klippdachsen scheint es Freude zu machen, unsere biblischen Gespraeche zu belauschen.
Schoen ist, dass die geistliche Bruecke zwischen Israel und Karlsruhe steht. Wir schreiben hier vom Foyer des Pilgerhauses aus unsere Eindruecke und lesen umgekehrt die Anregungen von "Daheimgebliebenen" vor.

