Betlehem
Zwei besonders auffaellige Bibelstellen haben den Tag gerahmt: Petrus mit seinem Versuch, es seinem Herrn und Meister auch beim Seewandel gleichzutun und die Verklaerung Jesu auf dem Berg. Dazwischen haben wir versucht zu buendeln, was in den Kapiteln 14 bis 16 und in dem, was wir zuvor schon gelesen haben, an Beschreibung von "Juengerschaft" drin steckt.
Matthaeus stellt hohe Ansprueche. "Wie der Herr, so's Gescherr", heisst es im Mittelbadischen. "Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen". "Liebt eure Feinde, seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Aber Juenger Jesu zu sein ist nicht nur Anspruch, es ist auch Zuspruch. "Umsonst habt ihr empfangen." Das groesste Geschenk dabei ist wohl die Naehe zu Jesus. Sie duerfen ihn mit ihren Fragen loechern und bekommen Antwort. Sie duerfen als Lernende unterwegs sein und wachsen. Sie sehen in Jesus einen Menschen, der barmherzig ist, der Mitleid hat mit den Kranken und Leidenden, der sich liebevoll und helfend seinem Volk zuwendet. Das bewegt auch ihr Herz. Und wir koennen Bibel lesen und verstehen - im Austausch und mit einigen Hintergrundinformationen ergeben vormals schwierige Passagen im Evangelium auf einmal einen Sinn.
Der untergehende Petrus ist einigen von uns sehr nahe gegangen. Das Gefuehl, dass einem das Wasser bis zum Hals steht und weit und breit kein Boden unter den Fuessen ist, macht diese Erzaehlung auf einmal sehr durchlaessig vom Heute aufs Damals. Aber beide Akteure sind gehorsam: Petrus, der auf das Wort Jesu hin aus dem Boot steigt und solange uebers Wasser laufen kann, wie er Jesus im Blick behaelt; und Jesus, der auf den Hilfeschrei des Juengers hin sofort die Hand ausstreckt und Petrus haelt.
Betlehem war das Ziel unseres Ausflugs. Wir haben die Hirtenfelder bei Bet Sahur ueber den Mittag besucht und einen herrlich ruhigen und schattigen Ort vorgefunden. Ideale Voraussetzungen, um in der Bibel zu blaettern. In Betlehem selbst haben wir die Geburtskirche und die Katharinenkirche angeschaut und viel Zeit zum Verweilen gehabt. Am Nachmittag hatten wir zwei Stunden frei, um auf eigene Faust kreuz und quer durch die Altstadt zu tigern.
Maechtig war ausserdem der Eindruck der Mauer zwischen dem juedischen Gebiet und den Palaestinensersiedlungen. Ist es ernst gemeint oder nur boeser Zynismus, dass Friedenstauben und Cartoons darauf gemalt sind oder das israelische Tourismusministerium Werbung auf der Mauer macht? Der kaum volljaehrige Soldatenjunge, der auf der Rueckfahrt im Bus die Paesse kontrollierte, hat so freundlich gelaechelt und wirkte dabei selber so hilflos, dass es schon fast grotesk war. Aber eine Atrappe wird sein Maschinengewehr vemutlich nicht gewesen sein...

