Auf dem Weg
Nach den vielen Worten der Bergpredigt laesst Jesus heute in Matthaeus 8 und 9 Taten folgen: die Schwiegermutter des Petrus wird ihr Fieber los, ein Stummer kann reden, ein Aussaetziger kann in die Gemeinschaft zurueck und eine Tote wird zum Leben erweckt. Glaube wird hier sehr konkret. Es tut sich was im Leben der Menschen, es wird heil und ganz durch die Beruehrung mit Jesus. Und beide wirken zusammen: der Messias Israels und der auf Jesus vertrauende Mensch.
In der Brotvermehrungskirche gleich nebenan in Tabgha war serieller Betrieb angesagt. Ein Bus nach dem anderen entlud fromme Pilger: wir irgendwo dazwischen. Abends um 20 Uhr singen die Benediktinermoenche die Komplet. Einige von uns sind jetzt gerade drueben und geniessen die wunderschoene Kirche und das Gebet ohne Touristen.
Im Schatten der Kirche ging es dann gegen Mittag um die Juengerschaftsrede in Kapitel 10. Die Juengerinnen und Juenger aus Karlsruhe waren erstaunt, ploetzlich mitten im Text ihre eigenen Namen im Anschluss an die der Apostel zu hoeren. Aber so hat Matthaeus es gemeint: es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen den 12 Aposteln und uns, die wir Jesus im 21. Jahrhundert nachfolgen. Wie es auch keinen wirklichen Unterschied geben sollte zwischen dem Herrn und seinem Sklaven. Die Juenger sollen Jesu Lebensstil uebernehmen: einfach leben, ohne Besitz, seine Botschaft verkuenden, ohne Furcht vor Ablehnung und Unverstaendnis.
Matthaeus hat im Unterschied zu seinem Kollegen Markus die Juenger zwar nicht zu zweit ausgesandt, wir sind aber trotzdem jeweils als Juengerpaerchen an der Uferpromenade entlang die drei Kilometer nach Kafarnaum marschiert. Die Rede Jesu im Hinterkopf, haben wir uns unsere Gedanken dazu gemacht.
In der Wahlheimat Jesu, Kafarnaum, wurde Archaeologie lebendig. Die gut erhaltene Synagoge, die Haeuserzeilen des Dorfes und das Haus des Petrus haben die Vergangenheit heran geholt. Das Schoenste war aber eindeutig der grosse Platz direkt am Seeufer samt dem mittlerweile richtig kraeftigen Wind - einfach herrlich. Der See glich einem Meer und mit ein bisschen Fantasie sah man die originalen Juenger dort draussen auf den Wellen schaukeln...
An unserem letzten Abend in Galilaea haben wir dann direkt am See Eucharistie gefeiert, an der uebrigens auch die Klippdachse teilgenommen haben (vgl. Psalm 104). Kapitel 11, das die Leitlinie fuer den Gottesdienst abgab, ist ein harter Brocken. Mit drastischen Worten mahnt Matthaeus zur Entscheidung fuer den Weg Jesu; er scheut sich auch nicht, mit Gericht und Untergang zu drohen, wenn jemand Jesu Botschaft ablehnt. Dennoch ist der Glaube eine "leichte Last", weil Gott die Entscheidung schon getroffen hat und immer da ist.
Sehr schoen ist der Kontakt nach Karlsruhe. Jeden Morgen finden wir drei Mails im Postfach, die in der Gruppe vorgelesen werden. Umgekehrt lesen viele Karlsruher hoffentlich diese Zeilen - eine geistliche Bruecke zwischen hier und dort mit erstaunlichen Uebereinstimmungen in den Erkenntnissen bei der Bibellektuere.
Morgen mehr aus Jerusalem. Shalom.

